Monday, 28 August 2017

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Entsprechend bezogen sich die meisten großen Pilgerzüge der Nachkriegszeit auf geschlossene Klosteranlagen sowie ihnen nahe gelegene und als heilig verehrte Quellen, deren Reputation wiederum auf das Auffinden einer wundertätigen Ikone bzw. so auch im Fall des geschlossenen Einödklosters bei Kursk. Der massive Druck des atheistischen Staates wirkte auf diese Frömmigkeitspraktiken zurück: Die geschlossenen Klosteranlagen wurden gewissermaßen auf den Kern ihrer Heilsbotschaft reduziert, nämlich geografische Orte und materielle Zeugen der Begegnung mit dem Göttlichen zu sein. Daher ist es konsequent, dass auch dort, wo es keine regulären Gottesdienste mehr in geweihten und ausgeschmückten Kapellen, Kirchen und Kathedralen gab, die Pilger dennoch zu den geschlossenen Klosteranlagen zogen und an diesen Orten beteten. bei Kursk umfasst all diese Aspekte. in der Zeit der Tatareneinfälle am Ende des 13. Ihr zu Ehren wurde zunächst eine Kapelle errichtet und später, im 16. Bereits Anfang des 17. Seitdem wurde die Ikone an festgesetzten Tagen in einer feierlichen Prozession im Frühjahr aus Kursk in das Kloster und im September wieder zurück in die Stadt getragen. zusammen mit vor den Bolschewiki flüchtenden Geistlichen aus Russland zunächst nach Serbien, später nach Deutschland und schließlich Amerika gebracht wurde.


Für die Dreißigerjahre und bis zur deutschen Besatzung im Spätherbst 1941, als die Gebäude der Klosteranlage als Sanatorium dienten, sind keine Wallfahrten mehr dokumentiert. Da die Anlage unter der deutschen Besatzung von der Wehrmacht genutzt wurde, sind Wallfahrten auch in diesem Zeitraum unwahrscheinlich. Bald nach dem Abzug der deutschen Truppen zog im Frühsommer 1944 erstmals wieder ein Prozessionszug mit circa 2000 Menschen aus Kursk zum früheren Kloster. Seitdem stiegen die Teilnehmerzahlen von Jahr zu Jahr: 1948 sollen es 14 000 Pilger gewesen sein, 1955 und 1956 sogar 20 000.


führten die Pilger nun jedoch eigene kleine Ikonen mit sich. Aber viel wichtiger noch: Die Klosteranlage war für den Wallfahrtszug nicht zugänglich, denn in den Gebäuden des ehemaligen Männerklosters war inzwischen eine Schule für die Mechanisierung der Landwirtschaft untergebracht. Stattdessen zogen die Pilger nun zu den 150 Metern von dem ehemaligen Klosterkomplex entfernten Quellen, an denen sie selbst Andachten abhielten und sich in dem als wunderkräftig verehrten Wasser wuschen.


und Fünfzigerjahre also viele Unterschiede auf. Wie sehr aber waren die Wallfahrten noch an die Institution Kirche gebunden, und wie verhielt sich die Geistlichkeit der Kursker Eparchie zu den Wallfahrten? Orthodoxen Kirche, sich an den Wallfahrten nicht mehr zu beteiligen.


gehörten zu den größten auf dem Gebiet der RSFSR, waren aber nicht die einzigen. kamen alljährlich am 21. Juni zum Fest des Erscheinens der Ikone der Gottesmutter einige Tausend Pilger zusammen, ebenso im Gebiet Uljanovsk am Festtag des Heiligen Nikolaj am 22. Mai an einem als Ort einer Vision verehrten Berg nahe dem Dorf Surskoe. Zuvor gerieten Wallfahrten nur selten in den Blickwinkel der regionalen Bevollmächtigten des Rats für Kirchenangelegenheiten, weil diese sich zunächst auf die Erfassung der sichtbaren Kirchenstrukturen konzentrierten.


Dennoch gab es bis 1953 keine zentralen Moskauer Initiativen zur Beendigung von Wallfahrten. Am besten dokumentiert ist in dieser Periode der Druck, den der Rat für Kirchenangelegenheiten auf die Kleriker ausübte, um deren Teilnahme an Prozessionen zu verhindern. Seit 1948 waren damit die Bischöfe in ihren Eparchien dafür verantwortlich, dass keine bei den staatlichen Stellen registrierten Priester an Wallfahrten teilnahmen. Orthodoxen Kirche und seiner Leitung unter Beschuss.


ausgetragen wurde dies durch einen Artikel im Parteiorgan Pravda im Februar 1949. wurde die von Geistlichen vorgenommene traditionelle Wasserweihe am Fest der Taufe des Herrn alljährlich am 19. Auf diesen inszenierten Skandal musste die Kirchenleitung mit der Strafversetzung des Bischofs von Saratov reagieren. So wurde auch dem letzten Priester vor Augen geführt, dass eine Teilnahme an Kirchenfesten oder Wallfahrten im öffentlichen Raum nicht mehr opportun war. Die Kanzlei des Patriarchats versandte nun entsprechende Zirkularbriefe an die einzelnen Eparchien von dort wurden die Auflagen über die Superintendenten weitergeschickt. Aus Sicht des Staates erwies sich dieses Teilnahmeverbot daher als ein effektives Mittel, um zumindest die Rückbindung der Wallfahrten an die Kirche zu schwächen, wenn schon die Prozessionszüge als solche nicht zu verhindern waren.


teilnahmen und in solchen Fällen die angedrohte Rücknahme der Registrierung konsequent umzusetzen. Noch im Jahr 1953 betraf dies in der Eparchie Kursk einen Priester namens Suslikov. Mit diesem der Kirche gegenüber wirksamen Instrument in der Hand lehnte der Rat für Kirchenangelegenheiten in Moskau andere Maßnahmen zur Verhinderung der Kursker Wallfahrt ab: Als das Exekutivkomitee des Gebiets Kursk im Vorfeld der Prozession im Juni 1951 vorschlug, die Quellen zuzuschütten oder eine Quarantäne über das Gebiet zu verhängen, sprach sich der Moskauer Rat dagegen aus. Stattdessen verwiesen die Moskauer Kollegen ein weiteres Mal auf den Beschluss des Synod vom August 1948 und darauf, dass der Bischof von Kursk das Teilnahmeverbot bereits an die Priester seiner Eparchie weitergegeben habe. ein integraler Bestandteil des kirchlichen Lebens der Eparchie, andererseits setzten sie mit ihrer Teilnahme die sonstige kirchliche Versorgung des Kirchenvolks aufs Spiel. aus, dass er sich über diese Frage ausgerechnet mit dem Bevollmächtigten des Moskauer Rats für Kirchenangelegenheiten im Gebiet Kursk vertrauensvoll aussprach.


er kann an diesen Tagen keine Gottesdienste halten und muss sich verbergen. Zudem sei der Bischof mit den Bitten seiner Kirchgänger konfrontiert, ihre Ikonen bereits im Vorfeld der Prozession in der Kathedrale aufzunehmen und diese am Wallfahrtstag dem Prozessionszug feierlich zu übergeben. Direkt am Vorabend der Sommerprozession 1953 kamen Kirchgänger mit Brot und Salz zu ihm, um sich vor der Wallfahrt segnen zu lassen. Der Bischof weigerte sich jedoch, so meldete es der Bevollmächtigte nach Moskau, diese zu empfangen. In den darauffolgenden Jahren löste der Bischof das Problem auf einfache Weise: Er fuhr in den Tagen um die zahlenmäßig besonders starke Frühjahrsprozession ins Patriarchat nach Moskau.


Neben diesen direkten Eingriffen in die kirchliche Autonomie lassen sich auch Einschüchterungsversuche gegenüber Laien vermuten, die sich auf den Weg zur Wallfahrt machten. Immer wieder gingen im Moskauer Rat für Kirchenangelegenheiten Meldungen aus den verschiedenen Gebieten der RSFSR ein, dass Vorsitzende von Kolchosen oder Dorfsowjets versucht hätten, Gläubige in ihrem Machtbereich am Kirchenbesuch oder an der Sammlung von Unterschriften unter Petitionen zugunsten von Kirchenöffnungen zu hindern. Vielfältig war auch ihr Vorgehen gegen lokal verehrte heilige Quellen. Exekutivkomitees, den Kirchenrat der Dorfkirche zu verpflichten, selbst eine Wache an der dem Dorf nächstgelegenen Quelle aufzustellen, um Wallfahrten zu verhindern.


Vorsitzenden, der an einem lokalen Wallfahrtsort im Gebiet Voronež vor den Augen der versammelten Pilger in die dort verehrte Quelle urinierte. und Parteiorgane in den späten Jahren von Stalins Herrschaft keine direkten Maßnahmen gegen die Pilger ergriffen, ist nicht eindeutig zu sagen. Eine gewisse Rolle spielte sicherlich die Vorsicht gegenüber dem Ausland, denn mit Rücksicht auf die außenpolitischen Erwartungen, die die sowjetische Führung in die Kirchenleitung setzte, sollten Nachrichten über Maßnahmen gegen Christen tunlichst vermieden werden. Dies mag angesichts des beginnenden Kalten Krieges und der rapide abnehmenden Bereitschaft der sowjetischen Führung, auf das Ansehen bei den früheren Verbündeten zu achten, verblüffen. Auf dem Feld der Religionspolitik jedoch war dies anders, denn Stalin und sein Umfeld wussten die Kirchenleitung erfolgreich für ihre geostrategischen Interessen zu instrumentalisieren. Dies galt für die Steuerung der Entwicklung in den osteuropäischen Satellitenstaaten ebenso wie für die ökumenische Bewegung und den Kampf gegen den Vatikan.


Aus demselben Grund außenpolitischer Rücksichtnahme waren sogar schriftliche Anweisungen des staatlichen Rats für Kirchenangelegenheiten gegenüber den Klerikern verboten: So sollte verhindert werden, dass Beweise für die permanenten Restriktionen und Einmischungen in innerkirchliche Belange ins Ausland gelangten. beteiligt waren, mochten die Funktionäre die öffentliche Ordnung und die Loyalität der Träger des Systems als nicht gefährdet ansehen. Stattdessen schätzten Stalin und sein Umfeld angesichts der bitteren Armut auf dem Land die Situation in den Dörfern möglicherweise als so instabil ein, dass sie auch deshalb von Maßnahmen gegen die religiöse Bevölkerung absahen und den Wallfahrten sogar eine gewisse Ventilfunktion zubilligten.